Freitag, 6. August 2010

Berlinermax war einkaufen

No shoes, just books. Das "Kulturkaufhaus" Dussmann in der Friedrichstraße in Berlin ist ein gefährliches Pflaster für Leser, Hörer, Seher und ähnliche Menschen, die ihre Kultur gern in roten Tüten nach Hause tragen.

Sonntag, 21. März 2010

Im ICE

Hallo, hier ist Leidmüller, wer ist da?

Ach Sie sind es, Frau Mutzke, das ist ja gut, ich habe nämlich was vergessen, ich wollte Sie bitten ...

Ich rufe aus dem Zug an ...

Ich bin im Zug, im ICE,  ... nein, nicht IC, ICE! ...  ist ja auch egal, Frau Mutzke, ich brauche das Angebot „Schossig“, das faxen Sie mir gleich ins Hotel.

Hallo ...

ich verstehe Sie ganz schlecht. Das Angebot „Schossig“: Siemens, Compaq, Handelskammer, Online, Siemens, Siemens

... nein, ich sagte Siemens, Siemens, also zweimal Siemens

... nein, das hat mit Siemens nichts zu tun, ich buchstabiere doch nur ...

Ich verstehe Sie ganz schlecht ....

nochmal: Siemens, Compaq, Handelskammer, Online, Siemens, Siemens, Intershop, Graugans ...

Wieso Graugans passt nicht, ist doch jetzt egal ...

Na meinetwegen Germany, ich will da nicht streiten, Frau Mutzke.

Wie bitte?

Ja, ich will nicht streiten. Haben Sie den Vertrag?

Wo der liegt? Auf meinem Tisch, wo er hingehört.

Wieso, da liegt er nicht. Der muss da liegen. Gucken Sie mal genau nach.

Wie, der Schreibtisch ist leer. Na dann sehen Sie mal in der Schublade nach.   

Die oberste links.

Da ist der nicht? Frau Mutzke, was machen Sie denn? Das kann doch nicht so schwer sein, ein Angebot in einer Schublade....

Was für Fotos? Ach die? Das geht Sie gar nichts an, Frau Mutzke, das ist eine reine Privatangelegenheit. Ich verbiete ihnen ...

Nein, das ist nicht der Neusiedler See, das ist doch ganz egal, jetzt packen Sie diese Fotos in die Schublade und faxen Sie mir das Angebot Schossig,

Fräulein Bernhard? Auf meinen Fotos? Na Sie haben vielleicht ne Phantasie.

Erstens geht Sie das überhaupt nichts an und zweitens haben wir uns ganz zufällig da getroffen,

... nein nicht am Neusiedler See,

Hallo, können Sie mich jetzt verstehen?

... verstehen? ich sagte verstehen ...

Die Verbindung ist ganz schlecht ....

Ich meine das Telefon. Zwischen unserer Praktikantin Fräulein Bernhard und mir gibt es keine Verbindung ...

Ja, das können Sie mir glauben.

Welcher Text? Auf der Rückseite?

Für meinen feurigen Hengst? Von Deiner Tanja? Das kann doch nicht sein, das haben Sie sich ausgedacht.

Sie fragen Fräulein Bernhardt nicht. Ich verbiete Ihnen....

Hallo ...

verstehen Sie mich? Ich sagte, ich verbiete ...

hallo .... HALLO!

Unglaublich günstige Angebote

Tante Sophia glaubt an das Sparen. Wie vielen Frauen der Nachkriegsgeneration sind ihr das Lob des Sparens und eine Art Ekel vor unnützen Ausgaben ins Betriebssystem geschrieben worden. Wenn sie im Familienkreis von einer Anschaffung hört, fragt sie als erstes nach dem Preis, und wenn man ihn ihr nennt, produziert sie ein schnaubendes Geräusch, das ihre Wut über den viel zu hohen Preis ausdrückt. Dazu legt sie die Stirm in metertiefe Falten.

Wenn Tante Sophia etwas kauft, dann etwas Heruntergesetztes. Hat das örtliche Kaufhaus reduzierte Twinsets, ist Sophia fast immer dabei. Natürlich gibt es oft herabgesetzte Teile, das Kaufhaus wäre ja blöd. sich diese Gelegenheiten entgehen zu lassen.

Mit Inbrunst werden die Faltblätter der Discounter studiert, lässt sich doch hin und wieder ein Tesafilmabroller für ein Taschengeld „schießen“. Gestern kam der Flyer mit den Sonderangeboten der nahegelegenen Apotheke, bei der Tante Sophia Mitglied ist, besser gesagt Stammkundin. Zwanzig Prozent auf Allergie-Tabletten, ein unglaublicher Preis! Sophia nimmt an, dass die Apotheke diesen Artikel weit unter Einkaufspreis verscherbelt, sicher als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber treuen Kunden. Sie überlegt, ob vielleicht nur eine Packung pro Person zu diesem Preis abgegeben wird. Doch sie als Stammkundin hat sicher eine Chance, eine zweite Packung für die Tochter zu ergattern.

Für jemanden, der täglich mit den Freuden des Marketings zu tun hat, kann ein Besuch bei Tante Sophia ein erleuchtendes Unterfangen sein. Es gibt ihn also doch, den Verbraucher, der alles glaubt. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Selbst Apotheken-Sonderpreise werden der Tante kein ewiges Leben bescheren.

Freitag, 19. März 2010

Sei Kolumbus! Über die Freude des Entdeckens.

(Ein kurzer Vortrag, den ich bei der Erzählkonferenz Interesting Berlin am 13.3.2010 gehalten habe.)

„Dann besuchen wir diese berühmte Kirche, wo mal dieser bekannte Mönch gelebt haben soll ...“ „Und die Torte hier soll ja die beste der ganzen Stadt sein, steht jedenfalls so im Reiseführer!“ „Sein Spätwerk gilt ja als nicht so überzeugend, habe ich in der Zeitung gelesen.“ „Ich glaube, da gabs mal was im Fernsehen drüber.“ Hat erzählt. Stand in der Zeitung. Soll ja gut sein. Hat der Stadtführer gesagt ....

Liebe Besucher von Interesting Berlin!
Gruselt es Euch auch so wie mich, dass viele Menschen von den Medien vorgekaut bekommen müssen, was sich anzusehen lohnt? Menschen, die sich die Kunst des Entdeckens abtrainiert haben, buchen bei ihrem Pauschalurlaub das Pauschalurteil gleich mit, all inclusive. Ich finde das oberschade, denn wer sich auf die Sinne anderer Leute verlässt, hat einfach weniger Spaß am Leben. Lasst uns also die Freude am Entdecken für uns neu entdecken.

Freitag, 5. März 2010

Skyway to Hell: Wie ich die CeBIT 2010 erlebt habe.

Vom Bahnhof Hannover-Laatzen, den die Expo-City Hannover stolz "Messebahnhof" nennt, zum Messegelände selbst führt eine Art Glastunnel auf Stelzen, in denen Förderbänder die Besucher zur Messe gleiten lassen, wie wir es von großen Flughäfen kennen. Dieser Glastunnel trägt den futuristischen Namen "Skyway". Wie bei meinen letzten CeBIT Besuchen denke ich wieder, eigentlich würde es reichen, auf diesem Himmelsweg hin und her zu gleiten, um die Stimmung auf der CeBIT und in der IT-Branche zu erfahren. Morgens strömen die Massen auf die Messe, übernächtigt zwar, aber auch irgendwie euphorisiert. Nur dass die Euphorie diesmal deutlich schwächer war. Während man noch vor ein paar Jahren morgens begeistert die Kollegen zutextete, hängen jetzt viele ihren eigenen Gedanken nach. An den Gesichtern lässt sich ablesen, es sind nicht nur schöne Gedanken.

Immerhin wird weiter nach vorn gedrängt und gedrängelt. Jung-dynamische Business-Personen überholen sich gegenseitig auf dem Run nach Gesprächen, Abschlüssen, Kontakten, Erfolgen, so wie sich das gehört.

Montag, 18. Januar 2010

Sammler-Leidenschaft

Man behauptet ja, die Menschen dieser Welt lassen sich in Jäger und Sammler einteilen. Ich gehöre ganz eindeutig zu den Sammlern. (Ob ich außerdem zu den Schnäppchenjägern gehöre, kläre ich später.) Zum Beispiel habe ich vor ein paar Wochen mal darüber nachgedacht, wie schade es ist, wenn ich mir beim Burgerbrater meiner Wahl immer mehr Servietten an den Tisch nehme als ich brauche. So habe ich beschlossen, die überzähligen Servietten mit nach Hause zu nehmen, damit sie sich dort nützlich machen können. Heute stelle ich erstaunt fest, dass in meiner Küche ein kleiner Turm zu Babel aus Restaurant-Papierservietten wächst. So schnell,dass ich dringend etwas dagegen tun muss. Meine Lehre: Bei jedem Sammelprojekt nicht nur wissen, wann man damit anfängt. Sondern auch, wann es höchste Zeit ist, damit aufzuhören.

Zu den heftigsten Sammler, die ich kenne, gehört mein verstorbener Vater.

Samstag, 12. Dezember 2009

Die McAfee-Affaire

Jetzt muss ich mal kurz Frust ablassen. Ich habe mir vor ein paar Wochen beim Media Markt ein Notebook gekauft für das Büro in Berlin. Mit Win 7, alles gut, Notebook funktioniert anstandslos. Weniger schön ist, dass da eine Testversion von McAfee Internet Security vorinstalliert war. Ich habe versucht, sie über Software zu de-installieren, doch ich konnte kein Kaspersky aufspielen, weil Kaspersky auch die de-installierte McAfee Software fand und die Installation verweigerte.

Ok, wenig Zeit, ich habe dann das Abo von McAfee gekauft. Für knapp 50 Euro zum Vorzugspreis, statt 70 Euro. Einen Tag später sah ich dann, das der Media Markt das gleiche Ding für viel weniger Geld verkauft, ich glaube für 25 Euro (kann mich irren). Und selbst der Online-Shop von McAfee verkauft das Ding für 35 Euro, inkl. ein Jahr Virenschutz. So konnte ich meinen Sonderpreis nur als "betrugsähnliche Handlung" auffassen, denn man hat offensichtlich den Umstand, dass das Ding vorinstalliert war und ich es nicht runterbekam, ausgenutzt, um bei mir kräftig Kasse zu machen.